Til Røde Fane si heimeside
Til heimesida til AKP


Pol Pot, Kambodscha und China

von Pål Steigan

Der folgende Beitrag wurde Anfang Dezember letzten Jahres in mehreren norwegischen Tageszeitungen abgedruckt. Im Rahmen einer größeren öffentlichen Debatte (siehe http://www.akp.no/arkiv/anger/akp-og-historia.htm), ist er eine Antwort auf die wenige Wochen zuvor gestartete Kampagne einiger relevanter TV- und Printmedien, die von führenden Persönlichkeiten der revolutionären Linken der 70er- und 80er-Jahre eine "Abrechnung" mit ihren damaligen Haltungen zu den Befreiungsbewegungen und Ländern Südost-Asiens einfordern.

Der Autor des Beitrags, Pål Steigan, war seinerzeit Vorsitzender der Kommunistischen Partei der Arbeiter, AKP-ml (heute AKP). Er ist in Norwegen auch als Verfasser einer Reihe politischer Bücher - v.a. zu Entwicklungen in Südost-Asien - bekannt.

På norsk


Im Herbst 2000 gab es in den norwegischen Medien eine neue Runde des Neo-McCarthyismus. Sie begann in der TV2-Sendung Rikets tilstand und setzte sich in der Presse, insbesondere in der VG (Verdens Gang), fort. Weder Gerhard Helskog von TV2 noch die Herren Bø und Versto von der VG waren besonders daran interessiert, die Hintergründe für das, was in Südost-Asien geschehen war, zu erkunden. Sie waren auf Kommunistenjagd und forderten einen Kniefall und reumütige Bekenntnisse. Glücklicherweise gab es viele, die sich dem widersetzten, und gewissermaßen endete die Debatte unentschieden. Ich lehnte eine Einladung zu dem Vorhaben von TV2 ab, da es sich um einen speziell konstruierten Pranger handelte. Das bedeutet nicht, dass ich nicht über z.B. Kambodscha oder China diskutieren will. Dies tue ich mehr als gerne.

Im Oktober 1978 war ich in Kambodscha und traf Pol Pot, Khieu Samphan und einige andere Führer der Roten Khmer, und gemeinsam mit u.a. Tron Øgrim reiste ich für eine Woche in dem Land herum. Wir hatten natürlich bereits vor unserer Reise Geschichten über Terror in Kambodscha gelesen als auch gehört, aber es war uns auch bekannt gewesen, dass der CIA während des gesamten Vietnamkrieges Geschichten dieses Typs verbreitet hatte um seinen massiven Völkermord in Südost-Asien zu vertuschen, so brachten wir dem nicht viel Vertrauen entgegen. Das Vertrauen in die westliche Presse wurde auch nicht gestärkt, als wir entdeckten, dass einer von denen, die uns quer durchs Land begleiteten, jemand war, der westlichen Quellen zufolge nur ein paar Monate zuvor von Pol Pot liquidiert worden war.

Lasst mich hier kurz stoppen. Erinnert sich jemand an den "Völkermord der Serben im Kosovo"? Während des jüngsten Krieges gegen Jugoslawien behaupteten Nato-Quellen, dass bis zu 500.000 albanische Männer "verschwunden und vermutlich tot" sind, und das Wort Völkermord wurde in Riesenlettern verkündet. Nach der Niederlage Jugoslawiens haben internationale Experten das Land auf der Suche nach Massengräbern durchkämmt, und sie fanden etwa 3.000 Opfer. Zweifelsfrei wurden grausame Übergriffe gegen die Albaner begangen, aber die Behauptungen über Völkermord waren selbstfabrizierte Erfindungen und Lügen, dazu berechnet, ein internationales Publikum zum Akzeptieren des völkerrechtswidrigen NATO-Krieges gegen Jugoslawien zu bringen. Und da kaum jemand Dementis liest, sind es sicherlich nach wie vor viele, die glauben, dass tatsächlich hunderttausende von Albanern im Kosovo ermordet wurden.

Ein tobsüchtiger Riese

Dieser Typ von Propaganda wurde nicht erst im letzten Jahr erfunden. Der CIA betrieb dies auch in den 60er- und 70er Jahren.

Der Vietnamkrieg hatte uns gelehrt, nicht auf die westlichen Medien zu vertrauen, wenn es sich um angebliche Übergriffe, begangen von Befreiungsbewegungen, handelte. Wir gingen davon aus, dass die Propaganda gegen Kambodscha von der gleichen Sorte war, dass sie in der Absicht betrieben wurde, eine neue Invasion zu rechtfertigen. So kamen wir in das kambodschanische Land. Es war ein wahnsinniges Erlebnis. Auf der einen Seite war das Land üppig und schön, und auf der anderen Seite war es so malträtiert und zerstört, dass es schwer war, passende Worte zum Beschreiben zu finden. Wir sahen nicht ein Haus, nicht ein Dorf, nicht eine Straße aus der Zeit vor 1975, die nicht von den amerikanischen Bombardierungen zerstört oder schwer beschädigt worden war. Es sah aus, als wenn ein tobsüchtiger Riese mit einer mächtigen Sense und einem enormen Pflug Amok gelaufen war. Überall waren Bombenkrater, die Palmen waren in der Mitte durchgeschnitten. Kambodscha hat etwa die gleiche Größe wie Südnorwegen. Als die Amerikaner 1969 mit der Bombardierung des Landes begannen, wohnten etwa sechs Millionen Menschen auf diesem Gebiet. Teile des Landes waren ebenso dicht bevölkert wie die norwegischen Regionen Asker und Bærum. Die amerikanischen Bombenflugzeuge überzogen das Land mit großflächigen Teppich-Bombardementes, aus ihrer sicheren Position oberhalb der Wolkendecken heraus. Dies taten sie Jahr um Jahr und ließen insgesamt mehr Tonnen Sprengstoff fallen, als während des 2. Weltkrieges über ganz Europa abgeworfen worden waren. Die Zerstörungen und die menschlichen Leiden waren enorm. Besonders im Jahre 1973 nahmen die Bombardierungen in einem derartigen Umfang zu, dass die finnische Untersuchungskommission, die auch die Anklagen gegen die Roten Khmer untersuchte, die Bezeichnung Völkermord verwendete. Zwischen 500.000 und 700.000 Menschen sollen getötet worden sein, und über 2 Millionen Menschen sollen in die Städte geflohen sein.

Es ist völlig sinnlos, das spätere Geschehen unter den Roten Khmer nicht im Licht dessen zu sehen. Das Lon-Nol-Regime in Phnom Penh half nicht nur den Amerikanern bei der Durchführung dessen. Es war direkt beteiligt und mitverantwortlich. Was macht so etwas mit einem Land? Was macht es mit den Menschen, die die Hölle überleben? Ich habe keine Ahnung, wie ich gewesen wäre, wenn ich einen solchen Alptraum überlebt hätte. Ich habe keine Ahnung, wie ich mich jenen meiner "Landsleute" gegenüber aufgeführt hätte, die mit denen unter einer Decke gesteckt hatten, die meine Verwandtschaft zu Fleischfasern zerbombt haben. Ich garantiere nicht dafür, dass ich ein Meister in Barmherzigkeit und Toleranz gewesen wäre.

Pol Pots Terror

Klar nehme ich Abstand von dem Terror unter Pol Pot. Kristallklar. Ist es aber gestattet, dies losgelöst von dem aus der Luft durchgeführten Völkermord der USA zu diskutieren? Ist dies historisch und moralisch haltbar? Wie soll man den ethischen Standpunkt derer bewerten, die den Friedenspreis einem Kissinger geben, der einer der Hauptverantwortlichen für den Bombenterror war?

Lies Die Rebellion der Gehenkten von Traven. Er erzählt von der langjährigen, blutigen Unterdrückung der Mahagoni-Sklaven in Mexiko. Sie waren jahrelang von Kopfgeldjägern und Sklaventreibern im Dienste amerikanischer und europäischer Holz-Kompanien torturiert worden. Was geschah, als sie sich zum Aufstand erhoben? Traven erzählt auch die Geschichte. Die Gequälten griffen zu den Macheten und mähten die Sklaventreiber, Vorarbeiter und deren Frauen und Kinder nieder. Furchtbar, ungeheuerlich. Aber läßt sich dies wirklich losgelöst von dem System, das sie so werden ließ, betrachten? Wenn man dies tut, wird man dann nicht ein Agent für ein System, das sich mit Mahagoni-Sklaven an der Macht erhält?

Oder lies Zwei Städte von Charles Dickens. Er war gegen die Jakobiner und ihren Terror, und er nimmt kein Blatt vor den Mund, wenn er sie und ihn beschreibt. Aber er sagt gleichzeitig, wenn man nicht möchte, dass Leute so werden sollen, darf man diese nicht so behandeln, wie der französische Adel die Unterdrückten behandelte.

Natürlicherweise sahen wir keinen Terror, als wir Kambodscha besuchten, und wir bemerkten nichts, was auf eine militärische Spannung zwischen den Roten Khmer und der Lokalbevölkerung hinwies. Was wir sahen, war wie gesagt ein vergewaltigtes und verstümmeltes Land, und wir sahen Leute, die Dämme und Häuser bauten und Reis pflanzten. Sie hatten etwas derart Kühnes gemacht, wie mit dem internationalen ökonomischen System zu brechen, das Geld abzuschafffen, und sie haben die direkte Verteilung von Waren eingeführt. Es war demnach eine Aufhebung des Marktes auf einen Schlag. Seinerzeit betrachteten wir dies als ein verheißungsvolles Experiment. Heute möchte ich es beinahe als eine verzweifelte Handlung betrachten, um zu versuchen zu überleben.

Dass wir keine Spur von irgendetwas, das uns an Terror erinnern könnte, bemerkten, beweist gar nichts. Heute bin ich nicht im Geringsten darüber im Zweifel, dass ein völlig unakzeptabler Terror von Seiten der Roten Khmer begangen wurde. Über den Umfang vermag ich mich nicht zu äußern. Die Behauptungen über Millionen Umgebrachter sind schwachsinnig.

Die finnische Untersuchungskommission spricht von zwischen 75.000 und 150.000 Hinrichtungen und fast einer Million Toten auf Grund von Hunger, Überlastung, Totschlag und anderen Ursachen. Michael Vickery, dem Noam Chomsky großes Vertrauen entgegenbringt, nennt die Zahl von ungefähr 750.000 Toten auf Grund aller Ursachen, von Hunger und Unterernährung bis zu Hinrichtungen.

Blutdürstigkeit?

Ich kann diese Zahlen weder verifizieren noch entkräften. Ungeachtet dessen betrachte ich es als über jeden Zweifel erhaben, dass es sich um einen umfassenden Terror gehandelt hat. Warum entstand dieser Terror? Teils hat er natürlich seinen Hintergrund in dem aus dem Krieg herrührenden Hass. Dies ist eine Mechanismus, der aus Europa nach dem 2. Weltkrieg bekannt ist. Zehntausende von Kolloborateuren wurden in aller Stille, bevor irgendwelche Rechtsverfahren eingeleitet worden waren, hingerichtet. Aber teils steht er auch im Zusammenhang mit der Politik der Roten Khmer. Pol Pot und seine Leute waren der Auffassung, dass sie aus den Fehlern Chinas gelernt hatten. Um diese zu vermeiden, wollte Pol Pot ein für alle Mal alle Wurzeln der Klassengesellschaft mit einem Schlag ausreißen. Dies mag sich sehr revolutionär anhören, und ich habe nicht so wenige liebe und freundliche Menschen gekannt, die wirklich glaubten und glauben, dass es für eine sozialistische Gesellschaft möglich ist, alle Reste des Kapitalismus mit einem Schlag auzurotten. Aber in Wirklichkeit hat das nichts mit Marxismus zu tun. Als Resultat ergab sich, dass alle, die die alte Wirtschaft repräsentierten, zu Feinden wurden, und das galt nicht lediglich in Bezug auf die Kompradoren und die Bourgeoisie, sondern für alle in den Städten, auch für das Kleinbürgertum und die Arbeiterschaft.

Mit anderen Worten denke ich, dass einige der schlimmsten Übergriffe von Seiten der Roten Khmer nicht einer speziellen Blutdürstigkeit entspringen, sondern einer falschen Analyse und einer falschen Strategie. Die chinesische Kulturrevolution, mit allen ihren spannenden und anti-autoritären Ideen, beinhaltete große idealistische Fehleinschätzungen. Man glaubte an die Macht des Willens über die Materie in dem Maße, dass man einen Teil grundlegender ökonomischer und materieller Probleme vollständig übersah. Bei den Roten Khmer sind diese Fehler in Reinkultur gepflegt worden. Eine derartig idealistische Politik bringt es auch mit sich, dass, wenn die Realität sich meldet, alle Probleme als Sabotage aufgefasst werden und die Jagd auf Feinde in den eigenen Reihen beschleunigt wird.

Was ich daraus gelernt habe, ist u.a. die Einnahme einer Haltung, die Wunderlösungen wie mit "einem Schlag" oder "in sieben Jahren" oder solchen wie "sollen alle Reste des Kapitalismus entfernt werden" mit einer hartnäckigen Skepsis begegnet. Das ist ausprobiert worden. Mehrmals. Und das lief jedes Mal beschissen. Dies obgleich die Menschen, die derartige Ideen lancierten, nicht notwendigerweise schlecht oder speziell unterdrückende Menschen waren. Einige der schlimmsten Übergriffe im Sozialismus sind begangen worden mit einem Ausgangspunkt in besten Intentionen.

Mao und die norwegische Regierung

Und wie verhält es sich mit China? Wenn die Massenmedien Mao heute als Massenmörder bezeichnen, muss ich protestieren. Anlässlich Maos Tod schickte die norwegische Regierung ein Beileidsschreiben an die chinesische Regierung. Dort wurde er als ein "großer Lehrer für die Völker der Welt" bezeichnet. Ich denke, dass das der Wahrheit näher kommt. Mao führte den größten Befreiungskampf und die größte Revolution in der Geschichte der Menschheit an. Ihn auf die Weise abzuschreiben, wie einzelne es tun, ist völlig falsch. Es waren auch nicht die autoritären Seiten Maos, die weltweit auf eine ganze Jugendgeneration anziehend wirkten, es war der antiautoritäre Mao. Es war der Mao, der die Jugend dazu aufforderte, das Hauptquartier anzugreifen, und der den kommunistischen Bonzen sagte, dass sie dumm seien, wenn sie auf das gemeine Volk herabschauten. "Dient dem Volk! Die Volksmassen sind die wahren Helden", sagte Mao. Es war diese Botschaft, die die Herrscher weltweit fürchteten, und um die wir uns scharten. Hier zu Hause versuchten wir dies in die Praxis umzusetzen, indem wir das Bonzenwesen bekämpften und den Respekt gegenüber der Arbeiterschaft herausstellten. Wir ergriffen Jobs in der Industrie und lernten viel von den Arbeitskollegen und es ergab sich eine Menge guter Politik daraus. Erling Folkvords langjähriger Kampf gegen Korruption und Machtmissbrauch im Landesbezirk Oslo (als AKPler und auch als Stortingsabgeordneter der Roten Wahlallianz) ist guter alter Maoismus.

Aber Mao beging auch katastrophale Fehler. Der größte von ihnen war "Der große Sprung nach vorn".

In den frühen 80er-Jahren veröffentlichte China seine erste landesumfassende Volkszählung. Als ich deren Zahlen las, war ich schockiert darüber zu sehen, dass zwei-drei Jahrgänge aus der Zeit von ungefähr 1957-58 dramatisch viel weniger stark waren, als sie hätten sein sollen. Wenn man die Bevölkerungsentwicklung des Jahres 1957 fortschreibt oder den Trend nach 1960 zurückschreibt, sieht es so aus, als ob zwischen 20 und 30 Millionen Menschen fehlen. Dies brachte mich dazu, entscheidende Einwände gegen die Politik zu erheben, die in China Ende der 50er-Jahre geführt wurde. Die Volkszählung gibt nicht an, wie viele in diesen Jahren den Hungertod starben, aber sie zeigt die Konturen einer Hungerkatastrophe an. Massen von Kindern müssen durch Hunger und Unterernährung gestorben sein, und vermutlich waren die Verhältnisse derart extrem, dass die Frauen aufhörten Kinder zu bekommen. Als ich 1984 als Leiter einer AKP-Delegation China besuchte, erzählten lokale Leiter in der Provinz Jinan, dass allein in ihrer Provinz zwischen einer und zwei Millionen Menschen vor Hunger gestorben waren. Diejenigen, die an einem gründlicheren Durchgang dieser Periode interessiert sind, können mein Buch Veiskille (Am Scheideweg) lesen, herausgegeben vom Oktober Verlag, 1990. Wer es liest, wird auch sehen, dass ich Kritik übe und analysiere, welche Fehler von Seiten Maos und der Kommunistischen Partei es waren, die zu jener Katastrophe führten.

Maos Fehler lassen sich vielleicht zum Teil nachvollziehen, teils weil man in China um 1956-57 herum zurecht, und nicht völlig grundlos, einen amerikanischen Angriff befürchtete. Es lag lediglich 3-4 Jahre zurück, dass der amerikanische Oberkommandierende im Korea-Krieg ein Anhänger der Atom-Bombardierung Chinas gewesen war. Die KPCh befürchtete, dass etwas derartiges passieren könnte, und rechnete damit, dass die Sowjetunion sie im Stich lassen würde. Daher wollte sie auf schnellstem Wege die Selbstversorgung des Landes auf Massenniveau sicherstellen. Darüber hinaus gab es einen revolutionären Übermut und einen Glauben an die Macht des Willens über die Ökonmie, der fast grenzenlos war.

Der Grund dafür, dass die Fehler sich so weit entwickeln und so ernste Konsequenzen bekommen konnten, lag darin, dass es im Innenleben der Kommunistischen Partei Chinas grundlegende Schwächen gab, und dass es keinerlei demokratische Tradition gab.

Die Medien haben sich nie für eine revolutionäre und marxistische Zusammenfassung dieser Dinge interessiert. Sie wollen Verbrecher und reuige Sünder haben. Dafür bekommen sie von mir keine Unterstützung.

Ich bereue nicht, dass ich China, Albanien, Vietnam und Kambodscha gegen den Imperialismus unterstützt habe. Ich würde mich schämen, wenn ich es nicht getan hätte. Hätte ich die Gelegenheit, würde ich es noch einmal tun, aber natürlich nicht so blauäugig und unkritisch wie damals.

Konsequenz-Ethik

Aber was ist mit denen, die die Sache des Imperialismus die ganze Zeit über verfochten haben? Wo stehen sie? Die Globalisierung und der Marktliberalismus führen dazu, dass Millionen von Menschen sterben. Der Marktliberalismus tötet in großem Stil, jeden Tag, jede Stunde, jede Minute. Der ganze afrikanische Kontinent verblutet. Nach dem entscheidenden Sieg des Kapitalismus in der Sowjetunion ist das durchschnittliche Lebensalter, besonders für Männer, dramatisch gesunken. Die italienische Tageszeitung La Republica meldete im November, dass die Zahl der Sklaven weltweit seit dem Fall der Mauer von ca. 90 Millionen auf heutige ca. 150 Millionen angestiegen ist. Dies kann schwerlich den Kommunisten oder der Linken angelastet werden. Warum sagt TV2 nicht etwas darüber? Hier handelt es sich um Frauen und Kinder, die Rohwaren in der Sex- und Pornoindustrie und im Organhandel sind. Sie sind die Schwächsten der Schwachen. Ich meine, dass sie Opfer eines ökonomischen Systems sind, und wenn man schon über Konsequenz-Ethik redet, hat dieses ökonomische System viel zu verantworten.

Ich bereue nicht, dass wir den Kampf gegen den Imperialismus und für den Sozialismus und für die Befreiung des Menschen von Unterdrückung und Ausbeutung aufgenommen haben. Ich bereue nicht, dass ich daran beteiligt war, die größte ML-Partei im Westen aufzubauen oder dass viele für immer oder für eine Periode eine Karriere aufgaben, um an einem gewöhnlichen Arbeitsplatz zu jobben. Im Gegenteil, ich bin stolz darauf. Selbstverständlich habe ich viele Fehler und Dummheiten begangen, aber wenn man sich so große Ziele stellt, wie wir es taten, und so hart für das Gelingen arbeitet, ist es fast unumgänglich, dass man Fehler macht. Es wäre viel schlimmer gewesen, es nicht zu versuchen. Wegen dieses Einsatzes habe ich für viele Jahre auf der kurzen Liste des POT [Liste des Politischen Überwachungsdienstes Norwegens mit den wichtigsten Zielpersonen] und anderer Überwacher gestanden. Sie verwendeten eine Milliarde Kronen [ca. 250 Mio. DM] und tausende von Menschen, um uns zu überwachen. Ich sehe das als ein Kompliment an. Was ich am meisten bedauere, ist, dass wir nicht tüchtig oder stark genug waren, um Erfolg zu haben.

Wir können hoffen, dass diejenigen, die nach uns kommen, in jeder Hinsicht fähiger sind als wir, sodass sie dort erfolgreich sind, wo wir es nicht waren. Wenn sie es denn aber sind, habe ich die Befürchtung, dass sie sich auf eine äußerst schlechte Erwähnung in der VG und bei TV2 einstellen müssen.